How to explain Pinot Noir?

Viele haben es versucht, einen großen Burgunder zu erklären. Aber wie erklärt man jene fragile, filigrane Rebsorte, die in göttliche Höhen entführen kann, aber keinen Fehler verzeiht, und somit ebenso schnell zum schrillen Missklang in der Nase und auf dem Gaumen werden kann. Wie erklärt man, was einerseits als die Vollendung sinnlichen Weingenusses gilt, andererseits aber wegen der Zartheit, der Feinheit und des hintergründigen Charakters sich nicht offensiv im Glas erschließt sondern meistens erst erarbeitet werden muss? Ein großer Burgunder ist meistens viel intellektueller, als man denkt.

Daher hier kein weiterer Versuch, diese unnahbare Schöne mit ihrem komplizierten Charakter in Worte zu kleiden, suchen wir doch ein wenig Musik aus und lassen diese für den Pinot sprechen. Zunächst für die Freunde der Pop-, Rock oder Alternativ-Musik. Vorausgesetzt, Sie haben einen wirklich erstklassigen oder gar großen Burgunder im Glas, wie wäre es, noch quasi frisch aus der Presse, mit Lana del Rey „Videogames“, diese zarte, düstere Stimme, diese melancholische Stimmung, dies feine, traurige Instrumentierung, irgendwie passend. Oder man greife zu Nick Cave & the Bad Seeds „The Ship Song“, und zwar unbedingt die Livaufnahme „Live Seeds“ aus dem Jahr 2002. Wenn der ganze Saal mit Nick Cave den Refrain anhebt „Come sail your Ships around me, and burn your bridges down“, dann lasse man einen Schluck über die Zunge gleiten. Ebenso zart und schön ist Elbow´s „The Birds“ von der jüngst erschienenen „Build a rocket boys!“ Hartgesottene greifen zum Spätwerk von Radiohead oder zur Musik von P.J. Harvey, das wäre dann die hohe Schule, so in etwa wie der „Laphroaig“ für den Freund der Malt Whiskeys.

Für die Freunde des Jazz sei zu einem edlen Burgunder unbedingt die Musik des „Tingvall Trios“ empfohlen. Perlende Melodien und Improvisationen von Klavier, Bass und Schlagzeug, stets durchzogen von nordischer Melancholie, das könnte passen.

Und wenn wir schon in Skandinavien sind, dann sei auch die Singer/Songwriter-Musik von Tina Dico empfohlen, vor allen Dingen ihr „Count to Ten“, sozusagen Schluck 1 bis 10.

Ein Highlight, nein, ein „Must Have“ zu einem großen Burgunder: Leonards Cohen „Halleluja“ und zwar unbedingt in der unglaublich berührenden Version des begnadeten und leider viel zu früh verstorbenen Jeff Buckley – Gänsehaut garantiert!

Von der Grundstimmung her dürften auch die „American Recordings“ der Country-Legende Jonny Cash sein, besonders die Nr. 6 „Ain´t no grave.“ Zartund fein, sehr emotional, Cash vom Alter geprägte traurig-brüchige Stimme, seine Gitarre und eine extrem spartanische Instrumentierung – großartig!

Johnny Cash - Street Art Berlin - unbekannter Künstler

Wer sich musikalisch allerdings eher in den 60er zu Hause fühlt, dem sei für einen schönen Burgunder das Stück In the court of the Crimson King“ vom gleichnamigen Album von King Crimson –für die damalige Zeit ein absolutes Meisterwerk- an das Herz gelegt, schön, melancholisch und sanft. Ebenso die Klassiker von Simon & Garfunkel wie „The Boxer, Bridge over troubled Water“ und natürlich „Sound of Silence“.

Hello darkness my old friend…“

…wenn diese Zeile erklingt, was würde da besser passen als ein erstklassiger Burgunder? Das gilt auch für „Hang on to a dream“ von The Nice, Keith Emerson´s Band vor seiner Zeit mit Emerson, Lake & Palmer und heute leider –im Gegensatz zu letzterer- kaum noch bekannt.

Wie kann man einen großen Burgunder erklären? Wir sind nicht im Besitz der Wahrheit, aber diese Songs- wohl verstanden als Anregung- könnten vielleicht einen Beitrag leisten. Sicher fallen den geneigten Lesern weitere hörenswerte Beispiele ein. Daher, sollte eigentlich gar nicht erwähnen müssen, die Auswahl ist rein subjektiv und erhebt selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Und wenn dieser Beitrag gefällt, dann gibt es hier demnächst „How to explain Pinot Noir“ für die Freunde der klassischen Musik.

 

Update:

Und hier nun der zweite Teil für Liebhaber der Klassik: How to explain Pinot Noir – Teil 2