HOW TO EXPLAIN PINOT NOIR – Teil 2
Neulich haben wir versucht Anregungen zu geben, wie man sich einer so kapriziösen Rebsorten-Schönheit wie dem Pinot Noir an Stelle von wortreichen Erklärungen mit musikalischer Untermalung nähern könnte. Dabei haben wir in die Schatztruhe der Alternative- und Rockmusik aus Gegenwart und Vergangenheit gegriffen. Freunde er klassischen Musik waren daher vielleicht ein wenig enttäuscht, aber keine Sorge, die sollen jetzt und hier auf ihre Kosten kommen.
Hat man eine so feine, differenzierte wie diffizile Rebsorte in der Nase oder auf dem Gaumen, dann passt –sorry- der größte Teil der romantischen Musik leider nicht. Wagner, Schumann oder Brahms, das Meiste dieser zweifelfrei genialen Komponisten ist zu opulent, zu dramatisch. Für Wagnerfreunde gäbe es einen Ausweg, und das wäre das Vorspiel zum 1. Akt des „Lohengrin“. Wie hier in zarten, feinen und sphärischen Klängen die Musik scheinbar vom Himmel herabsteigt, um –je näher der Erde- umso mächtiger zu werden, um dann ebenso wieder in schwebenden Akkorden gen Himmel zu entweichen, das könnte einem großen Burgunder schon nahe kommen. Freunde des großen Klaviervirtuosen Franz Liszt könnten sich an sein Spätwerk halten, etwa an die fein perlenden Kaskaden der „Jeux d´Eau a la Villa d´Este“. Und auch ein anderer „Zauberer“ könnte interessant sein, Niccolo Paganini mit seinen Capricen.
Man greife zur famosen Einspielung von Julia Fischer awie sie sich virtuos mal mit kraftvollem Strich, mal mit weich subtilen Klangfarben, das Instrument zärtlich streichelnd, durch die scheinbar unspielbaren Capricen arbeitet. Wohlgemerkt, die sind für Violine solo, aber so, wie Julia Fischer aufspielt, vermisst man auch kein Orchester.
Wunderbare melancholische Klangfarben zu dinem Pinot Noir liefert natürlich Fréderic Chopin mit seinen Nocturnes. Diese sinnliche, verträumte Musik – dazu ein Glas eines schönen Burgunders….
Sicher fündig wird man, wenn man weiter in der Musikhistorie zurückgeht, und da steht natürlich ein Name ganz weit vorne: Wolfgang Amadeus Mozart. Ja, manch ein Pinot Noir verhält sich ebenso exzentrisch, wie der geniale Komponist. Seine Streichquartette etwa oder seine Klaviertrios mit ihren klaren und andererseits so magisch verwobenen Melodiebögen, was könnte da besser passen als ein großer Pinot. Wer hingegen die Moderne mag, dem sei einmal Bela Bartoks „Konzert für Seiteninstrumente und Celesta“ empfohlen. Allein schon die mystischen Klänge zu Beginn könnten einem großen Burgunder sehr gerecht werden.
Natürlich ist eine Musikepoche für feine Spätburgunder wie geschaffen, der Barock. Hier gäbe es natürlich einige ganz herausragende Komponisten zu nennen, aber einer überragt sie doch alle: Johann Sebastian Bach. Und wenn schon ein großer Pinot ein Meisterwerk darstellt, dann sollte man ihn vielleicht mit einem der Meisterwerke der Musikgeschichte schlechthin kontrastieren, den „Goldberg-Variationen“ eben jenes J.S. Bach. Die meisten Pianisten fühlen sich für dieses Opus Magnus erst reif, wenn Sie das Hauptwerk der Wiener Klassik oder der Romantik hinter sich haben. Aber ein junger Mann mit Namen Martin Stadtfeld durchbrach dieses ungeschriebene Gesetz und spielte im spektakulären Alter von 23 Jahren eine fulminante Aufnahme ein. Und die sollte man im Player haben, denn so zwingend und swingend, so leicht und so spielerisch hat sich bislang kaum jemand diesem schwierigen Werk genähert.
Jedem das Seine, jedem seine Vorlieben, daher sind all dies natürlich nur Anregungen. Noch viele Komponisten und ihre Musik könnte man anführen, gönnen Sie sich einfach einen hervorragenden Burgunder, treffen Sie Ihre Auswahl und hören Sie selbst. Wie würden Sie denn entscheiden?





[...] Und hier nun der zweite Teil für Liebhaber der Klassik: How to explain Pinot Noir – Teil 2 [...]