Weinrallye #50 Chateau Fonroque Portrait von Alain Moueix
Die Weinrallye, ein monatliches Blog-Event, findet heute zum 50. Mal statt. Wir vom Winelog sind heute erstmalig dabei und bringen unseren Beitrag zum Monatsthema “Naturweine”. Aus diesem Anlass haben wir Alain Moueix von Château Fonroque, dem ersten biodynamisch zertifizierten Grand Cru Weingut in St. Emillion, gebeten uns einen Einblick in seine Weinphilosophie zu geben.
Das Portrait
Mit Erwerb des Besitzes durch meine Urgroßeltern ist meine Familie seit 1931 in Saint-Emilion, der Beginn einer langen und erfolgreichen Geschichte. Château Fonroque ist ein Ort voller Symbolik und Erinnerungen, ein Ausdruck kindlicher Verbundenheit mit diesem schönen Landstrich.
Das 22 Hektar große Gut Fonroque liegt ein paar hundert Meter nordwestlich des Dorfes Saint-Emilion. Die zusammenhängenden 17,6 Hektar Weinanbau erstrekken sich über ein Kalkstein-Plateau und einen Lehm-Kalk-Hang im Westen. Im Zentrum des Anwesens umgeben die Gebäude in ihrer grundsätzlich sachlich-funktionalen Bauweise das Haupthaus in seinem reinen und klassischen Kolonial-Stil. Wie beschützt durch seine zurückgezogene Position im Zentrum der Gesamtanlage geht von dem Ort ein Gefühl von Harmonie und Ausgeglichenheit aus, werden die Spuren einer lebendigen Vergangenheit nachvollzogen, denn es ist noch nicht lange her, da gab Familienleben den Rhythmus in Fonroque an: an der Vorderseite gehen die Weiden bis ans Haus, wo früher Pferde und Kühe standen, dahinter der Gemüsegarten… Ein von alten Steinen umsäumter Teich trägt mit seinem romantischen Hauch zum Charme der idyllischen Landschaft bei, dann eine alte Bank im Schatten der Trauerweiden, stummer Zeuge seit vier Generationen.
2001 wurde mir die Bewirtschaftung anvertraut. Im ersten Jahr hat der Weinbau viele Veränderungen durchgemacht: Entwässerungsanlagen, eine Änderung des Längensystems, strenge Überwachung der Erträge, Sortierung der Trauben … Ab 2003 wurde Zertifizierung für die Produktion als ‚kontrolliert ökologischer Landbau’ beantragt. 2002 begann auf einem Teil der Anlage der biodynamische Anbau, der allmählich über den gesamten Weinberg ausgedehnt wurde. Diese Umwandlung von Fonroque war keine abrupte und schmerzhafte Kehrtwende, sondern eine durchdachte und grundlegende Neuorientierung. Meine Devise zu jedem Leben ist: alles was Du investierst, wird Dir wieder zurück geben. Ich würde sogar noch weiter gehen und sagen: Qualität und Menge dessen was Du erhältst sind allein abhängig von deinem Einsatz… Und wenn das der Fall ist, sind die Schwingungen differenzierter geworden, zeigt der Ort wieder richtiges Leben…
Nach erfolgreicher Umstellung und ersten klassifizierten Weinstöcken im Jahr 2006 für Bordeaux-Rotwein aus kontrolliert biologischem Anbau (mit ‚Chateau Moulin du Cadet, Grand Cru Saint-Emilion’, die ich pflege und meiner Schwester vorbehalten sind), hatte Château Fonroque 2008 die erste zertifiziert biodynamische Ernte.
Die Motivation für diese Entscheidung sind vielfältig:
- Der Mensch an der richtigen Stelle
Zuerst möchte ich dazu aufrufen, unsere Welt richtig zu verstehen: Ich glaube, es ist sündhafter Stolz des Menschen zu glauben, die Natur beherrschen zu können. Das ist eine Illusion. Die Natur hat ihre eigenen Gesetze, und sie beherrscht uns. Manchmal werden wir schmerzhaft daran erinnert. Wir brauchen die Natur, sie aber kann ohne uns. Der Mensch muss auf sie hören, sie respektieren, darf sie aber niemals dominieren wollen. Eine solche Philosophie verändert die Herangehensweise an den Weinbau und im weiteren Sinne den Blick auf die Welt!
- Beschäftigung mit Umweltfragen
Dann möchte ich auf Sorge für die Umwelt eingehen: Pestizidrückstände im Grundwasser oder in der Luft sind ein Besorgnis erregendes Anliegen. In diesem Sinne halte ich es für wichtig, dass die einen Weinberg bewirtschaftenden Menschen weniger aggressive Produkte verwenden.
- Nachhaltigkeit sichern
Einen edlen und prämierten Wein zu bewirtschaften ist ein Privileg mit einigen Verpflichtungen; das Mindeste ist aber, den Besitz in gleich gutem Zustand zu erhalten, wie er übernommen wurde. Dabei gehe ich davon aus, dass Biodynamik einen starken Einfluss auf alles Leben hat und Nachhaltigkeit fördert, auch und besonders durch biologische Vielfalt im Boden.
- Den Boden zu nutzen und durch Weinanbau zu verbessern
Je mehr Leben im Boden, desto mehr gibt er dem Wein an Ausdruckskraft. Biodynamik erlaubt nach meiner Überzeugung mehr authentischen Weinbau mit größerem Ausdruck im Profil und einer feineren Struktur.
Zusammenfassend gilt für mich, dass jeder mit der einmaligen Chance, einen edlen Wein anzubauen, dem Land, das diesen Wein produziert, alles geben muss, was es braucht, um die Authentizität zu bewahren. Ein Sprichwort sagt: nur tote Blätter fliegen mit dem Wind. Ich persönlich kaufe mir jedoch kein grünes Gewissen oder folge nur einer Mode. Mein Ansatz ist anders. Bereits 2002, als Ökologie noch nicht beherrschendes Thema war, führte sie zu der Überzeugung, dass wir alles gewinnen bei Erhalt des natürlichen Gleichgewichts.
In philosophischer Hinsicht müssen wir das sogar. Die Natur braucht uns nicht, während wir nichts sind ohne sie. Auf den Menschen bezogen denke ich auch an die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Schließlich bevorzuge ich nach strenger Weinbauregel, wenn auch über die List der Illusion, die Wahrhaftigkeit einer Frucht, die unter der Presse den Reichtum einer wahren Identität offen legen kann.
Tatsächlich stellen wir positive Veränderungen fest. Biologische Vielfalt und Anpassungsfähigkeit des Bodens haben zugenommen. Wachstum, Reife und Aushärtung sind homogener. Die schnellere Widerstandsfähigkeit der Haut gibt wunderbar reife Trauben, und unterschiedliche Abstufungen erlauben, ein Gleichgewicht zu bewahren. Die Rebe ist widerstandsfähiger gegen Krankheiten.
Und der Weinanbau selbst? Ich höre auf meinen Weinberg, versuche, ihn zu verstehen, zu beobachten, in seinem Sinne zu handeln, klug zu handeln, um die Balance zu finden, die das Leben fördert. Je weniger künstlich, desto schwieriger ist es und um so korrekter muss gehandelt werden; es ist wie auf der Suche nach Schönheit: sie ist nicht messbar, bringt sich aber durch Ausgewogenheit zum Ausdruck. Diese Anbautechnik ist ein Streben nach Balance als Gegensatz zum Wettlauf um Adstringenz, eine Suche nach Ausdruckstiefe im Wein und nicht die Verherrlichung des Öligen und übermäßiger Süße. Es geht also nicht darum, eine Wein-Demonstration zu veranstalten, sondern um einen Wein des 21. Jahrhunderts, immer noch einen reinrassigen Bordeaux-Wein, elegant und ausgewogen, ohne sich dabei gegen den Zeitgeist zu stemmen.
Meine großes Ziel sind Weine von höchster Qualität, die in Vollkommenheit ihre Herkunft zum Ausdruck bringen. Im Kalksteinboden von Schloss Fonroque erlaubt mir die Biodynamik, den Wein so zu läutern, dass das Essenzielle herausgearbeitet werden kann:
- Genauigkeit im fruchtigen Ausdruck
- Herausarbeiten einer ausgefeilten, ja kristallinen Struktur und Entwicklung eines seidigen Gefühls im Mund
- Herausarbeiten einer gewissen Vertikalität, die dem Wein eine Haltung gibt
- der Mineralität Gewicht geben durch lang anhaltende Frische, Garant für harmonisches Altern.
Zusammenfassend kann ich sagen, schenkt der Anbau das aufregende Gefühl, die lebendige Seite des Weins zu präsentieren, die Harmonie zu suchen als Quelle aller Freude. Der Wein bezeugt große Reinheit in seinem fruchtigen Ausdruck. Mineralisch durch den Merlot, der den Kalkboden wie einen vielfältigen Früchtestrauß wieder aufleben lässt. Seidenweich im Mund spielt er seine anhaltende Harmonie aus und garantiert eine ausgezeichnete Alterung. Elegant, reinrassig, ehrt der „Château Fonroque“ in einer sehr persönlichen Weise die Klassik dieses Weingebietes und seine stilvolle Herkunft.
Biodynamik dringt in das Bewusstsein des Weinbergs und seiner Möglichkeiten und macht es leichter, diese zum Ausdruck zu bringen. Auf diese Art hilft sie dem Menschen, mit dem Land eins zu werden; eine großartige Belohnung. Es ist anstrengend, aber es gibt eine Menge …
Schloss Fonroque ist ein wunderbarer Ort. Wenn Sie hier vorbeikommen, besuchen Sie unseren Weinberg und unsere Winzer, und entdecken Sie unsere klassischen und authentischen Weine.
Alain Moueix
Für weitere Informationen, darunter auch Videos über Biodynamik: www.chateaufonroque.com
Unsere Notiz zum 2006er Château Fonroque:
Die Farbe präsentiert sich in einem dichten Granatrot mit nach wie vor purpurnen Einschlüssen, am Rqnd zeigt sich eine feine orangenfarbene
Tönung, die erst reife andeute. Vielschichtig und komplex im Bouquet mit zahlriehcn Anspielungen auf rote Beeren und getrocknete Kräuter wie Minze oder Kamille. Am Gaumen zeigt er viel Stoff mit mit schön eingebundenen Gerbstoffen und einem finessenreichen und auskleidenden Nachklang. Ein Wein BOrdeaux zu Beginn seiner Reife mit hervorragendem Potential und guter Zukunft.







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